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Technikabend — Tonabnehmer Vergleich 9. Juli 2010

Foto der Anlage, Technikabend 9. Juli 2010 bei PhonoPhonoWieder einmal hatten wir eingeladen zu unserem freitäglichen Technikabend. Tonabnehmer sollten im direkten Hörvergleich zeigen, welche Unterschiede hörbar sind. In der Auswahl dieses Abends in der Reihenfolge des Preises:

  • Ortofon OMB5E (MM, ca. 25 €)
  • Grado Prestige Black (MI, ca. 50 €)
  • Ortofon MC1 Turbo (high output MC, ca. 120€)
  • Denon DL103 (MC, ca. 140 €)
  • Goldring 1042 (MM, ca. 350 €)
  • Grado Statement Sonata (low output MI, ca. 700€)
  • Transrotor Merlo Reference (MC, ca. 1000€)

Foto Electrocompaniet PI-2 / PC-1, Technikabend 9. Juli 2010 bei PhonoPhonoAls Vorführanlage hatten wir aufgebaut:

  • Electrocompaniet PI-2 Vollverstärker (ca. 2200€)
  • Dynaudio excite X32 Standlautsprecher (ca. 2000€)
    Lautsprecherkabel Dynaudio Ocos 3m (ca. 400€)
  • Lehmann BlackCube SE Phono-Vorverstärker MM/MC (ca. 650€)
  • Transrotor FatBob S mit Motoresteuerung Konstant Studio (ca. 3000€)

Entsprechend unserer Daumenregel Verstärkerpreis = Lautsprecherpreis = Plattenspielerpreis (mit Abweichung maximal Faktor 2) dürfte man annemen, dass die Anlage in sich stimmig klingen dürfte. Nach unserer Erfahrung ergibt diese Anlage ein sehr neutrales Klangild mit erstaunlich konturiertem Bass, sehr angenehmem Raumabbild und einer offenen Hochtonwiedergabe. Ein fast schon Monitor-artiges Verhalten macht diese Anlage zu einem idealen Testobjekt für Tonabnehmer. Mein Ziel an diesem Abend war nicht nur, Klang-Unterschiede hörbar zu machen, sondern auch zu demonstrieren, dass man mit einem Tonabnehmer ein Matching hinbekommen kann, also ein in sich überaus stimmiges Klangbild trimmen kann. Außerdem wollte ich zeigen, dass Geld nicht immer hilft: eine Anlagenkombination in dieser Preisklasse sollte einen Abtaster um die 500Euro beinhalten. Ein 1000-Euro-Abtaster dürfte schon zu viel des Guten sein. Aber das sollte der Abend zeigen…
Zur Technik sei noch angemerkt: der Lehmann BlaackCube SE ist unser treuer Begleiter seit vielen Jahren, dank überragend neutralem Gesamtklang und sehr flexibler Anpassung unser Arbeitsgerät. Je nach Tonabnehmer hatten wir den BlackCube auf MM oder MC umgeschaltet, Abschluss-Widerstand bei MC 100Ohm, bei MM und beim Grado Statemant 47kOhm.

Foto Transrotor FatBob S, Technikabend 9. Juli 2010 bei PhonoPhonoMusikalisch wurde ein wenig Klassik, ein wenig Jazz und etwas Pop gespielt, um ein breites Spektrum abzudecken und die Anlage hinsichtlich aller denkbaren Kriterien zu testen. Wir begannen mit dem preiswerten Ortofon OMB5E, das angenehm klang, aber insgesamt alles musikalische geradezu einebnete und langweilig klang. Nicht schlecht, sondern langweilig! Im Vergleich spielte das Ortofon MC1Turbo frisch und dynamisch, etwas heller und leider zuweilen auch spitz auf. Das MC1Turbo war deutlich besser als das OMB5E, aber es klang eher nach HiFi denn nach musikalischer Geschlossenheit. Der nächste Kandidat, das Denon DL103, konnte zwar musikalischen Fluss vermitteln, bleib jedoch bei der Raumabbildung sehr vage und im Hochtonbereich matt und lieblos. Auch hier war ein musikalisches Einebnen klar zu hören, alles klang “lieb und nett” - wie beim Ortofon OMB5E, nur auf höherem Niveau. Als dann das Goldring G1042 spielte, wurde schnell klar: DAS war Musik! Hier stimmte alle: Raum, Bass, Dynamik, Tiefenstaffelung, Klangfarben - alles wie es von einer Anlage dieser Preisklasse erwartet wird. Die Frage stellte sich sofort: geht da noch mehr? Was kann diese Anlage denn WIKRLICH? Wir verglichen nun das G1042 mit dem Transrotor Merlo Reference. Der mehr als doppelte Preis machte sich zwar bemerkbar: schönere Klangfarben, ein musikalisch logischeres Klanggeschehen stellte sich ein. Aber der Mehrpreis stand nicht ganz in Relation zum Ergebnis.

Die Überraschung des Abends war das Grado Statement Sonata: plötzlich war es muks-mäuschen still, alle lauschten gebannt der Musik. Wo eben noch gute Wiedergabegeräte zu hören waren, standen plötzlich die Musiker! Ein geradezu beängstigende Überraschung: nur der Tausch eines kleinen Tonabnehmers machte aus einer guten HiFi-Anlage ein betörendes Suchtmittel. Das Klanggeschehen rastetet förmlich ein: man fühlte die Musiker, konnte ihnen regelrecht zusehen. Die Musik bekam eine innere Spannung, die mit keinem anderen Abtaster zu erleben war.

So konnte also für mich das Fazit des Abends lauten: Mission erfüllt!  Die Unterschiede der Tonabnehmer waren ganz klar hörbar, es gab - für diese Anlage (!) - einen überragend guten, eindeutigen Gewinner: das Grado Statement Sonata!

Anmerkung:  dass dieses Mal das Grado Sonata der eindeutige Gewinner war, bedeutet nicht, dass dieser Abtaster der allerbeste aller Tonabnehmer ist. Vielmehr kommt es bei einer HiFi-Anlage darauf an, dass die Komponenten qualitativ und klanglich zueinander passen. Man kann das nicht oft genug betonen! Bei der Auswahl einer HiFi-Komponente kommt es vor allem darauf an, dass man mit Sachverstand Geräte so kombinert, dass über die technische Perfektion hinaus ein musiklisches Erlebnis möglich wird. Wir empfehlen daher, keine Testberichte zu lesen, sondern Fachleute (also gute Händler) zu besuchen. Hören Sie sich bei fachhändlern eine Anlage an und fragen Sie sich: gefällt mir, was ich höre? Selbst wenn die Anlage, die Sie dort hören, nicht preislich passt, sollte das Klanggeschehen die “musikalische Meinung” des Händlers wiederspiegeln. Wenn das der Fall ist, dann vertauen Sie sich diesem Fachmann an. Und honorieren Sie sein Fachwissen und seine Zeit, die er sich für Ihre Beratung nimmt!

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Neuer Vollverstärker von Electrocompaniet

Electrocompaniet ECI-5 MK2

Electrocompaniet hat seinen Vollverstärker ECI-5 überarbeitet. Der neue ECI-5 MK2 bietet bei fast unverändertem Preis deutlich mehr Leistung! Obwohl nominal weiterhin 120 Watt je Kanal anliegen können, wurde das Netzteil deutlich verstärkt. Dadurch bietet der neue ECI-5 MK2 noch bessere Basss-Kontrolle und kann auch Lautsprecher mit ungünstigem Wirkungsgrad locker antreiben. Im Ausgangskreis liegt kein Schutz-Relais mehr an, da die Überlast-Schutzschaltung geändert wurde. Dadurch kann das Signal ungehindert an die Lautsprecher übergeben werden. Das neue große Klarschrift-Display sieht nicht nur besser aus, sondern bietet auch einen schnellen Überblick über die Betriebsart dieses Vollverstärkers.

Wie bisher: der ECI 5 MK2 hat 6 Eingänge, davon 2 XLR symmetrisch, 3 Cinch unsymmetrisch und einen Line-Direct für Heim-Video-Anlagen.

Ab Juli 2010 lieferbar!

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Referenz-Aufnahmen LP / Beethoven - Späte Streichquartette

Beethoven - Die späten Sreichquartette - Smetana Quartett / 1966 / Supraphon

Es gibt eine große Anzahl hervorragender Aufnahmen mit Kammermusik. Diese Aufnahme ragt ein kleines bisschen aus der Reihe exzellenter Aufnahmen hervor: hier finden Sie nicht nur eine musikalisch spannende Interpreation Beethovens später Streichquartette. Auch technisch ist diese Einspielung herausragend. Die Musik sind sehr plastisch aufgezeichnet, sauber getrennt, jede Artikulation, jede Nuance ist gut hörbar.

Die Aufnahmen sind mein zuverlässiger Indikator für gute HiFi-Technik. Unaufgergte Aufnahmetechnik und atembraubend spannende Interpreation müssen beim Hören fesseln. Fern von aller HiFi-Rhetorik kann jeder Musikinteressierte sehr einfach ausprobieren, was mit ihm geschieht: bleibt er wie angewurzelt sitzen und vertieft sich in die Abgründe dieser Musik? Dann hören Sie eine hervorragende Anlage. Wirkt die Wiedergabe farblos, langweilig, enervierend oder gar atonal? Dann sollten Sie nach einem technischen Fehler oder Manko suchen. Denn das ist der “Trick” an diesen LPs: Beethovens Musik ist so gar nicht einschmeichelnd, sondern eher sperrig. Scheinbar! Denn wenn die HiFi-Technik hier patzt, dann geht diese Musik sehr schnell über das Ertragbare hinaus. Wenn jedoch alles passt, dann erleben Sie mitdiesen LPs “großes Drama”.

Diese Einspielung finden Sie bei gut sortierten Gebraucht-Schallplattenhändlern. Da diese Streichquartette eher etwas für den anspruchsvollen Musik-Liebhaber sind, sind die LPs oftmals ungespielt, somit in exzellentem Zustand! Aber vielleicht finden Sie ja mit dieser Aufnahme auch als Nicht-Klassik-Hörer Spaß an Kammermusik.
Es gibt derzeit kein Re-Issue.

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Referenz-Aufnahmen LP / Wagner - Parsifal

Wagner - Parsifal

Diese Aufnahme ist der Mitschnitt einer Aufführung in Bayreuth 1962. Die Philips-LPs sind in jeder Hinsicht ein Meilenstein: musikalisch ein Juwel, aufnehmatechnisch (auch für heutige Verhältnisse) ein Geniestreich!

SpeakersCorner hat diese legendäre Aufnahme neu aufgelegt. Nun gibt es Wagners Parsifal wieder als LP-Set. Musikalisch eindrucksvoll werden die Abgründe Wagners Musik ausgeleuchtet.  Frappierend: die düstere Stimmung ist auch aufnahmetechnisch bedrückend eingefangen: man sitzt gebannt vor den Lautsprechern und leidet genussvoll. Die Sprachverständlichkeit ist sehr gut, kein Wort geht verloren. Hinzu kommt eine atemberaubende Dreidimensionalität der Aufnahme, man scheint die Sänger zu sehen. Und dieser Streicherklang, der immer wieder die Tränen in die Augen treibt: überirdische klangliche Schönheit, ein samtiger Atem - und im nächsten Moment brutal und hart.

Der ganze Reichtum dieser Aufnahme erschließt sich (leider) nur auf echten (!) High-End-Anlagen. Ich benutze diese Aufnahme gerne, um schnell und zuverlässig auszuprobieren, ob unsere High-End-Anlagen in Ordnung sind. Diese LPs gehören zu meinen zuverlässigsten Begleiter als High-End-Händler! Ich lege die Aufnahme auf und “beobachte” mich selbst. Rührt sich etwas bei mir? Bin ich ergriffen? Großes Musiktheater? Bad im Klang? Weite große Bühne?

Diese LPs entlarven die meisten Pseudo-High-End-Geräte. Wenn Sie Ihre Anlage vor allem dazu benutzen, um nach einem entnervend anstrengenden Tag “die Sau rauszulassen”, dann dürfte Ihre Anlage für diese Musik kaum geeignet sein. Wenn Sie Ihren Plattenspieler vom Flohmarkt haben, dann sparen Sie sich das Geld für diese LPs. Wenn Sie aber (vielleicht einfach mal probeweise) mit Ihrer Anlage Musik hören möchten, dann könnte diese Kassette etwas für Sie sein!

Auch Sie können dieses LP-Set hervorragend dazu benutzen, um Ihre Anlage zu testen. Denn vom Klang-Timbre her klingt das Orchester eher dunkel (in Bayreut sitzt das Orchester in einem Graben vor der Bühne). Hat man sich daran erst einmal gewöhnt (wenige Sekungen genügen), dann muss sich eine große Bühne aufbauen. Sogar ohne Gesang scheint man gelegentlich die Sänger zu sehen - mal knarrt eine Diele, mal gibt es ein Geräusch.

Aber diese Schallplatten sind viel zu schade, um nur als Test-LPs benutzt zu werden. Wenn Sie es dennoch der Technik willen machen: nehmen Sie die 2. LP (4. Seite, Ende 1. Akt), dort gibt es neben  großem Orchester und Gesang auch Chor. Aber Vorsicht: es könnte passieren, dass Sie zumindest diese LP-Seite komplett anhören. Sie wären nicht der erste, der Wagners Musik “zum Opfer” fällt.

Wenn Sie neugierig geworden sind, dann machen Sie es einfach so: warten Sie einen verregneten Sonntag ab, setzen Sie sich in Ihren Lieblingssessel und lassen Sie sich ein auf dieses großartige Spektakel.

Denn das macht den Wert dieser Einspielung für mich aus: hiermit ist schon so mancher High-End-Verrückte um Musikhörer geworden! Mehr noch: zum Klassik-Hörer! Im Grunde will ich nämlich erreichen, dass Sie Musik hören. Dass Sie Musik Sie berührt. Dieser Parsifal ist ein großartiges Tor in die Welt der Musik!

Falls Sie noch niemals Wagner gehört haben: kaufen Sie sich diese LPs. Machen Sie einfach mal einen “Anlauf”. Und wenn es beim ersten Mal nicht “funkt”, legen Sie die Kassette beiseite und probieren Sie nach einigen Tagen oder Wochen nochmals. Und nochmal. Und nochmal. Vielleicht “klickt” es irgendwann einmal. Und wenn nicht? Dann haben Sie es wenigstens probiert!

Diese Schallplatten gehören zu den Besten LPs, die jemals produziert wurden! Ein musikalisches Welt-Kultur-Erbe!